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3. Lauf zum AlpenPokal am 22. Mai auf dem Eurospeedway Lausitz

Blühende Länder versprach uns einst ein übergewichtiger Politiker in den neuen Bundesländern - und siehe da: es blüht wirklich! Das leuchtende Gelb der Rapsfelder signalisiert das auf der Fahrt über die Autobahn zum Eurospeedway genauso wie die teils endlos scheinenden Felder, auf denen bereits alle Sorten von Getreide in die Höhe schießen! Als braver Steuerzahler fragt man sich nur, ob dafür wirklich der so geliebte Solidaritätszuschlag nötig ist...

Egal, zum Glück haben Motorsportler ja (angeblich!) nur für eines Platz im Kopf - und das war an diesem Wochenende der AlpenPokal auf dem Eurospeedway in der Lausitz. Manchmal fühlt sich der Betrachter wie Gulliver bei den Riesen, denn hier ist Alles so richtig groß. Angefangen bei den Boxen, in denen gerne und intensiv geschraubt wird, bis hin zu der überdimensionalen Zuschauertribüne, deren Besuch man neben Kindzeugen und Baumpflanzen als Pflichtveranstaltung in jede Lebensplanung miteinbeziehen sollte!

Kein Wunder also, daß die Veranstaltergemeinschaft der beiden PC's Vierseenland und Vorarlberg sich bereits am Freitag einen Tag Fahrspaß auf dieser vielseitigen Strecke gönnte. Frühaufsteher wurden - wie so oft im Leben - mit perfekten Wetter- und Streckenverhältnissen belohnt. Wer sein Auto erst am Nachmittag "fertig" hatte (wie z.B. Verena und Dieter Jendrzejzyk: "Am Vormittag haben wir geschraubt, und als wir fertig waren, begann der Regen"), oder einfach nur später anreiste, konnte aus nächster Nähe beobachten, wie schnell aus einer Rennstrecke ein hochkarätiger Kanu-Parcours wird! Aber gerade bei solchen Extrembedingungen lassen sich wichtige Erfahrungen sammeln, was die Abstimmung des Fahrwerks und das Fahrverhalten der Regenreifen anbelangt.

Außerdem wurden die Flitzer ab 14 Uhr technisch abgenommen. Das bedeutet für den Technischen Kommissar Gerhard Dobay (unter Mithilfe von Bernhard Fischer vom PC Vierseenland) akribische Arbeit, denn hier werden die Angaben in der Wagenkarte mit dem effektiven Ist-Zustand des Autos verglichen. Abweichungen können zu Änderungen in der Klassifizierung führen, und über das KLG (korrigiertes Leistungsgewicht) erreicht man so die größtmögliche Chancengleichheit innerhalb der einzelnen Klassen! Wenn ein Fahrer wirklich einmal vergessen sollte, technische bzw. leistungssteigernde Veränderungen an seinem Porsche anzugeben, merken die Mitbewerber auf der Strecke so etwas natürlich sehr schnell - und werden dementsprechend handeln... Für solche Fälle ist Gerald Poschauko vor Ort. Der FIA / OSK-Sportkommissar begleitet den AlpenPokal wie auch Gerhard Dobay schon seit vielen Jahren und genießt bei allen Fahrern - nicht zuletzt wegen seiner ruhigen und freundlichen, aber stets kompetenten Art - hohes Ansehen. Seine Aufgabe ist es, im Falle eines Protestes die Sachlage zu prüfen und unter Berücksichtigung des Regelwerkes zu entscheiden.

Der Samstag begrüßte die AlpenPokalisten mit Sonnenschein. Nachdem die beiden ersten Veranstaltungen etwas verregnet waren, diesmal also beste Bedingungen für einen gepflegten Renntag auf dem ehemaligen Tagebaurevier in der Lausitz.

Erster Programmpunkt am frühen Morgen ist die Fahrerbesprechung. Hier trifft man immer wieder einen Mann, der schon um diese Uhrzeit eine ordentliche Fahne hat - und es scheint niemanden zu stören! O.k., er hat sogar mehrere Fahnen in schönen, bunten Farben und heißt Joe Elsensohn! Als Rennleiter ist er der Schreck aller Falschfahrer ("Die Rennstrecke ist eine Einbahnstraße..."), und auch als Bußgeld-Kassier bei Geschwindigkeitsübertretungen in der Boxengasse macht er ebenfalls eine gute Figur.

Um 9 Uhr schaltete die Ampel an der Boxenausfahrt endlich auf Grün, und die Boliden der GT-Sport Challenge eröffneten die Veranstaltung mit dem Freien Fahren. Für viele Fahrer die erste Gelegenheit, die Strecke im idealen (trockenen) Zustand kennen zu lernen. Nach dem Warmfahren der Reifen steigern die Piloten von Runde zu Runde den Schub, um sich allmählich an ihren Grenzbereich heranzutasten. Erreicht (und auch gleich überschritten) hat diese Grenze als Erster Hermann Speck vom PSC Nürnberg. Er rutschte kurz vor Ende des Freien Fahrens in's Kiesbett und musste von dem tadellosen Streckenpersonal in die Box geschleppt werden. Bis auf den zusätzlichen Ballast in Form von deutschem Qualitätskies blieb der gelbe GT3 CUP aber unversehrt.

Für die erste Schrecksekunde bei den Zuschauern sorgte Josef Wailzer mit seinem 993 Turbo. Kaum war er geistesgegenwärtig am Ende der Start-Zielgeraden hinter die Absperrung gefahren, begann es auch schon munter aus dem Motorraum zu rauchen! Aber die Streckenposten waren schnell zur Stelle, und nachdem das Fahrzeug weggeschleppt und die Strecke gereinigt waren, durften die Club- und SuperSportler noch bis 11 Uhr völlig losgelöst von Geschwindigkeitsbegrenzungen und Überholverboten über diese traumhafte GP-Strecke heizen! Schon das Zuschauen bereitet da Spaß ohne Ende. Aber erst seit der AlpenPokal seinen eigenen Streckensprecher hat (!), ist jede Veranstaltung auch ein "Schmankerl" für die Öhrchen! Von morgens bis abends versorgt "the voice" Peter Bauregger die stetig wachsende Zahl der Zuschauer (bzw. Zuhörer) mit Fakten über Fahrer und Fahrzeuge, vorallem aber auch über die aktuellen Entwicklungen bei den einzelnen Wertungsläufen. Und was man da hört ist besser als jede Heinz Prüller F1-Reportage. Als säße er im Cockpit fiebert er mit den Fahrern und kommentiert jedes Windschattenduell und Ausbremsmanöver, daß manchen Zuhörern der Mund offen stehen bleibt...

Das Zeittraining dient zur Ermittlung der Startaufstellung für die erste Sprintwertung in der GT Sport Challenge. 30 Minuten, in denen jeder Porschetreiber durch geschicktes Taktieren eine optimale Runde in den Asphalt bruzzeln muß. Daß das bei 28 Autos ganz schön eng werden kann, ist das Salz in der Suppe - zumindest für die Zuschauer! Bis auf wenige Meter ist nämlich die komplette Strecke vom Dach der Boxengasse aus einsehbar (und von der Tribüne erst!), und wer nicht mal eben "für Königstiger" musste (die Nervosität...), der gönnte sich diesen Genuß. Nicht stressen lassen wollte sich Georg Zoltan vom PC Wien, denn er holte sich die 2. Startposition mit gerade mal 5 Runden. Effektiver war kein Anderer, schneller nur der XXL-Fahrer Dietmar Haggenmüller vom PC Allgäu. Nach 9 Runden war seine Bestzeit mit 1:52,716 fast um 0,8 Sekunden besser als die der Verfolger. Auch in der 1. Sprintwertung sicherte er sich den Klassensieg vor Werner Eberth auf 993 Turbo und Ulrich Ritzer mit seinem 993 RS.

Die SuperSportler fahren eine Gleichmäßigkeits- und eine Sprintprüfung. 10 Runden werden gefahren, die 2. Runde ist die Referenzrunde. Und dann muß man nur noch jeden "turn" möglichst in der gleichen Zeit absolvieren. Klingt leicht - ist aber nicht so! Während nämlich Michael "Düsentrieb" Wolski vom PC Berlin mit 2:03,855 ordentlich auf die Tube drückte, entschied sich Mario Maier mit seinem 944er (das ist der Porsche, bei dem der Motor aus Versehen (?) vorne eingebaut wurde...) für eine entspanntere Fahrweise und kam nach 2:36,117 wieder bei der Zeitnehmung (auch diesmal wieder unübertroffen: Monika Kahla und Christoph Preu! Hast du heute mal Zeit für mich? Ja, welche hättest du denn gerne...) vorbei. Ein Zeitunterschied von einer halben Minute pro Runde bedeutet ständige Überholmanöver, weil natürlich jeder Fahrer in seiner "pace" bleiben will. Noch vor der Kurve schnell am Vordermann vorbeiquetschen, weil nach der Kurve schon zuviel Zeit verloren wäre. Und wieder ein optischer Hochgenuss für die Freunde des Motorsports!

Der Pechvogel der Gleichmäßigkeitsprüfung war Alfred Artbauer vom PC Wien. Mit seinem 911 SC setzte er in der Referenzrunde anscheinend auf Spritsparen (2:28,258) - entdeckte dann in den darauffolgenden Runden aber die Freude am Bleifuß (2:22,990), was ihm außer Fahrspaß nur noch den letzten Platz in der Klasse 1 bescherte.

Ähnliches erlebte bei den ClubSportlern 996 Turbo-Treiber Mark Koch. 8 Sekunden war er im Durchschnitt (2:04,373) schneller, als in der Referenzrunde (2:12,954). Daß es aber auch andersherum geht, bewies Heinrich Birk vom PC Mainfranken. Mit seiner Referenzzeit von 2:13,388 lag er äußerst deutlich neben dem Schnitt von 2:24,813! Aber nach der Mittagspause kommt noch eine 2. Chance alles besser zu machen.

Diese "heiße" Phase begann um 13:30 mit der ersten Sprintprüfung der GT-Sportler. Die Fahrzeuge starten aus der Boxengasse und fahren hinter dem pace car bis zur Start-Zielgeraden. Dort werden sie angehalten und hinter dem Startfahrzeug in die richtige Aufstellung gebracht. Dann geht's los in die eigentliche Aufwärmrunde. Mit ordentlich "speed" heizt das pace car jetzt um den Kurs, damit die Boliden im Anhang ihre Reifen auf Temperatur bringen können.

Bei der letzten Kurve vor Start-Ziel reduziert das pace car das Tempo nochmals, damit alle Fahrzeuge aufschließen und sich in die Startformation einordnen können. Die Startampel steht auf Rot, erst wenn sie erlischt darf der Fahrer auf der "pole" vollen Schub geben. Das pace car fährt in die Boxengasse, das Starterfeld fährt langsam in Formation auf die Start-Zielgerade. Da erlischt plötzlich die rote Startampel. Fast zeitgleich bricht ein wahres Inferno los, wenn 28 Gaspedale bis zum Anschlag im Bodenblech versenkt werden um allen Pferdestärken ordentlich die Sporen zu geben! Ein unglaublicher Anblick, wenn das Feld sich auf den 650 Metern bis zur ersten Kurve auffächert und zu dritt, ja teilweise zu viert auf das Ende der Startgeraden zurast. Dann leuchten die Bremslichter auf, Reifen quietschen - und alle Renner sind unbeschadet durch die 1 Kurve gekommen. Schon als Zuschauer bekommt man da feuchte Hände! Für die Fahrer ist das neben der körperlichen Anstrengung aber auch eine ungeheure Konzentrationsleistung. Da kann es schon mal passieren, daß sich ein Fahrer nach der (vermeintlich!) letzten Zieldurchfahrt den Helm abnimmt um Luft zu schnappen - und sich wundert, warum das restliche Feld kein bißchen langsamer wird, sondern munter überholt. So kam Jörg Peham in diesem Lauf nur auf Platz 3 hinter "Dominator" Dominik Neumeyr und Georg Zoltan! Im 2. Lauf nützte Peham seine Chance zur Revanche nicht, sondern beendete als 9. das Rennen. Dadurch kam Hermann Speck mit zwei 5. Plätzen in der Tageswertung der Klasse 6S GT noch auf den hervorragenden dritten Platz.

Die 2. Gleichmäßigkeitsprüfung im ClubSport brachte es an den Tag: Boxster-Pilot Max Eichstädter ist im Durchschnitt ein relativ durchschnittlicher Fahrer! Anders ist nicht zu erklären, daß seine Referenzrundenzeiten (was für ein schreckliches Wort...) der Läufe 1 (2:22,812) und 2 (2:22,885) gerade mal 73 Tausendstelsekunden auseinander liegen! Eine famose Leistung - überraschend und beeindruckend... In der Klasse 9 dagegen verlor Richard Kieber mit seinem 996 Turbo seine guten Siegchancen nach dem ersten Lauf (0,29 Sekunden Differenz) durch einen schlechten 2. Lauf (1,044) ebenso, wie Michael Klein vom PC München (0,18 / 2,184).

Wie schwer diese Gleichmäßigkeitsprüfungen sind sieht man auch am Beispiel von Martin Konrad (996 GT3), dem shooting star der letzten Veranstaltung auf dem Salzburg Ring. Durch das schlechte Ergebnis in der Gleichmäßigkeit verbaute er sich alle Siegchancen, die er mit dem 2. Platz in der Sprintwertung auf jeden Fall gehabt hätte! Aber für die zweite Veranstaltung war das trotzdem ein beeindruckendes Ergebnis des "jungen Wilden"...

Etwas verspätet begann vor der Box 15 das große Finale des Tages: die Siegerehrung der Tagessieger. Der Sieger-Sekt blieb (leider) meistens in der Flasche, dennoch war die Freude am Motorsport auch am Abend noch ungebrochen zu spüren. Kein Wunder, bietet der AlpenPokal doch ein breit gefächertes Spektrum für Motorsportbegeisterte aller Klassen! Und die perfekte Organisation der Veranstalter PC Vorarlberg und PC Vierseenland taten neben dem Wettergott das ihre zum Gelingen dieser herrlichen Veranstaltung!

Auf ein sonniges Wiedersehen in Hockenheim freut sich

euer Zuffi!

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